Kandidaten 2015: Regina Frey

Ein überraschendes Menü

Mit 17 Jahren entscheidet sich Regina Frey, Vegetarierin zu werden: „Das war zwar eine Kopfentscheidung, nicht zuletzt auch wegen des Hormonskandals in den 1980er-Jahren. Aber ich lebe sehr gut damit und fühle mich wunderbar“, so die Angestellte. Ihre Eltern hätten seinerzeit zwar mit dem Kopf geschüttelt, es aber hingenommen. „Es ist ja auch nicht so, dass sie deswegen ihre Kochgewohnheiten geändert haben. Ich habe mir halt einfach kein Fleisch mehr genommen und dafür mehr beim Gemüse zugegriffen“, so die heute 45-Jährige weiter.

Der nächste, aus Freys Sicht konsequente Schritt erfolgte, als sie Veganerin wurde. „Im Internet, in Foren, sozialen Netzwerken und auch bei Freunden habe ich mich darüber informiert, habe mich unterhalten und diskutiert. Ich habe dann für mich entschieden, dass ich das mal testen möchte“, so Frey weiter. Mittlerweile dauert diese Testphase drei Jahre an – und kein Ende ist in Sicht. Im Gegenteil, dieses Lebensmodell ist für die 45-Jährige stimmig, sowohl, was ihren ethischen Anspruch als auch ihr körperliches Wohlgefühl betrifft.

Und nun der Edeka-Grillwettbewerb, an dem sie teilnimmt und eines ganz bestimmt keinen Platz auf ihrem Grill finden wird: Fleisch. „Ich bin durch die Werbung in der Badischen Zeitung darauf aufmerksam geworden. Und im vergangenen Jahr habe ich mir das Kochduell auch im Internet angeschaut. Das fand ich spannend“, beschreibt sie die Vorgeschichte, die zu ihrer Bewerbung geführt hat. Überrascht zeigt sie sich dennoch darüber, dass nun ausgerechnet sie unter die Top drei gekommen ist: „Natürlich bin ich auch aufgeregt, zumal ich keine wahre Grillkünstlerin bin.“ Wenn in ihrer vegetarischen Wohngemeinschaft gegrillt wird, dann wird halt in den Abendstunden ein Feuer hinterm Haus entfacht – kein Gas, keine Kohle. Von daher ist Regina Frey die Zeit bis zum Wettbewerb eine Kooperation mit Freunden eingegangen, die einen Gasgrill besitzen. „Sie werde ich in den nächsten Tagen immer wieder experimentell begrillen“, achtet die Stegenerin darauf, dass auch der gesellige Faktor nicht zu kurz kommt.

Natürlich will sie beim Wettkampf ihr Bestes geben, wenngleich das Siegen bei ihr nicht im Vordergrund steht: „Die Freude steht bei mir an erster Stelle. Und außerdem will ich links und rechts auch noch die ein oder andere Idee klauen und meinen Kontrahenten zuprosten.“ Herzklopfen bereitet es Regina Frey, vor großem Publikum öffentlich zu kochen. Zwar gibt sie an der Volkshochschule vegane Kochkurse, aber diese Gruppen sind von der Teilnehmerzahl her überschaubar. Dennoch überwiegt bei ihr die Vorfreude auf den Wettkampf. Und eines steht für sie fest: „Ich bin kein Weltverbesserer, der die Moralkeule schwingt und mit erhobenem Zeigefinger kocht, um die Leute für die vegane Küche zu gewinnen.“ Vegane Küche entspricht ihrem persönlichen Lebensstil, überzeugen davon will sie niemanden. Vielleicht aber überrascht sie den ein oder anderen doch mit ihrem Menü. „Denn es ist genauso bunt, abwechslungsreich, schmackhaft und nährstoffreich wie das Grillen mit Fleisch“, macht sie auf ihre Auswahl neugierig.

Redaktion: Christian Klaus (Video), Ulrike Sträter (Text); Kamera: Julian Springhart; Schnitt: Alexander Fleischhauer